Am Ende

NICHTS GEHÖRT EINEM, AUSSER DEN WESENTLICHEN DINGEN


– LUFT, SCHLAF, TRÄUME, DAS MEER, DER HIMMEL –, LAUTER DINGE,


DIE DER EWIGKEIT ZUNEIGEN ODER DEM, WAS WIR UNS DARUNTER VORSTELLEN.

CESARE PAVESE

Einen Seelenpartner von jetzt auf gleich zu verlieren oder beim Sterben zu begleiten, Abschied von ihm zu nehmen und bewusst zu trauern, kann den Blick auf das Leben nachhaltig verändern. Oder: Wer sich traut und den Tod als unabdingbaren Bestandteil des Lebens annimmt, kann nur gewinnen. Was?

Die Antworten werden naturgemäß unterschiedlich sein. Vielleicht ist es eine neue innere Ordnung, Sehnsucht nach Stille, im Wortsinn bedingungslose Liebe oder tiefes Vertrauen in die Kraft der Intuition. Für mich gilt alles. Und ein Satz der Künstlerin Erika Pluhar: „Stark ist, wer überlebt.“ Ich ergänze um: Und wer an etwas glaubt, das durch die Sisyphusarbeit des Selbstseins trägt.

Ausgehend von einer eigenen großen Trauererfahrung und Gesprächen mit Trauernden habe ich mich gefragt, ob eine Art Memorandum anderen Menschen in Ausnahmesituationen vielleicht helfen könnte, sich weniger allein zu fühlen.

Stark ist, wer überlebt

Somit lade ich Sie ein, sich dem wahrscheinlich intensivsten Moment des Lebens noch einmal zu nähern. Was hat der Schmerz mit Ihnen gemacht? Wie hat sich Ihr Blick auf das Leben verändert? Wie geht es Ihnen heute? Woran glauben Sie? Viele Fragen, auf die es keine einfachen Antworten gibt.

Ich glaube an „natürliche Resilienz“ (George A. Bonanno) – an eine ureigene Kraftquelle, die uns hilft, auch in der Trauer als Mensch zu wachsen und irgendwann in neue Balance zu kommen. Und an die Kraft, die entsteht, wenn zwei Menschen einander lieben – über den Tod hinaus und mitten im Leben. Bei allem geht es weniger um ein aktives Tun als darum, zu sein. Einfach sein. Wer hätte gedacht, dass der Weg zu diesem Ziel durch viele Höllen führen kann. 

Können Sie sich vorstellen, Ihre sehr private Verknüpfung von Ende und Anfang mit Worten zum Klingen zu bringen und dann mit anderen zu teilen? Wenn ja, lade ich Sie hiermit ein: Bitte schreiben Sie es auf. Ich würde Ihrer und meiner Erinnerung gern einen Ort für die Ewigkeit geben, der jederzeit aufgesucht werden kann.

Sich beim Fühlen zusehen

Warum?

Weil auch Leben und Tod ziemlich gute Freunde sind, die Dimension dieser Freundschaft uns aber erst bewusst wird, wenn wir selbst ein erstes „Rendezvous mit Joe Black“ hatten. Oder wenn die, die wir lieben, uns wegen Joe verlassen haben.

Weil der physische Verlust nicht das Ende dieser Liebe sein muss.

Weil die Qualität des Weiterlebens eng an jene einzigartige Verbindung geknüpft ist.

Weil Schreiben auch Therapie ist.

Weil Ihre Geschichte eine Botschaft sein kann.

Weil sie denen Bestätigung geben kann, die an die Gesetzmäßigkeiten der Spiritualität glauben. Hoffnung anderen, die nach Sinn suchen in einer aus den Fugen geratenen Welt. Trost jenen, die sich nicht vorstellen können, dass der Tod in all seinen Erscheinungsformen viel von seinem Schrecken verliert, wenn wir erleben dürfen, dass ein Mensch in Würde und Frieden geht, weil in Liebe begleitet.

Weil Ihre Erfahrung ein hilfreiches Plädoyer sein kann, wenn alles ganz anders war.

Weil es lohnt, dem Getöse der Wildnis etwas Stilles entgegenzusetzen.

Weil …

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